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Orchideen für Fortgeschrittene




Wer Phalaenopsis ohne weiteres wieder zum Blühen bringt, darf sich auf andere Arten stürzen, die in der Regel aufwändiger zu pflegen sind.  

Wer seine Phalaenopsis nicht mehr zum Blühen bringt, oder schlimmer noch: umbringt, der bleibt bei der Malaienorchidee und übt noch ein bisserl. Für die Fortgeschrittenen heißt es: Auf zu neuen Ufern! Herrlichkeiten hält das Reich der Orchideen bereit. War die Haltung von Orchideen früher in einem Wohnraum kaum möglich, so hoch waren die Ansprüche der exotischen Schönheiten bezüglich Luftfeuchte, sind mittlerweile durchwegs robuste Hybriden im Handel. Sie kommen mit Zimmertemperaturen und eher niedriger Luftfeuchte gut zurecht. Da wäre zum Beispiel Zygopetalum (einen deutschen Namen gibt’s noch nicht dazu). Es wartet mit einer ungewöhnlichen Blütenfarbe (blaulila!) und vor allem mit süßem Duft auf. Feinen Vanilleduft verbreitet auch Oncidium ‚Tiny Twinkle’. Die vielen winzigen Blütchen dieser Orchideensorte sind unauffällig cremeweiß, verströmen aber einen wunderbaren süßfruchtigen Duft. Blüten erscheinen bei beiden Arten nur auf den Vorjahrestrieben, und da liegt der Hase im Pfeffer, wie es so schön heißt. Das Um und Auf bei den Orchideen für Fortgeschrittene ist nämlich das Wachstum. Nona, werden Sie denken, Pflanzen wachsen eben. Diese Gattungen und Arten müssen aber neue bodenbürtige Triebe bilden, um zur Blüte zu kommen, weil einmal abgeblühten Triebe nicht mehr blühen. Ohne neue Triebe keine Blüten, so einfach ist die Gleichung. Doch Oncidium, Miltonia, Odontoglossum, Cymbidium, Paphiopedilum und wie sie alle heißen, dazu zu bringen, neue Triebe zu bilden, heißt sie an den richtigen Platz stellen, regelmäßig düngen und ihre Ruhezeit einhalten. Das ist nämlich auch etwas, was diese Arten von Phalaenopsis unterscheidet: viele brauchen eine Ruhezeit, in der sie nicht gegossen und kühl gestellt werden möchten. Manche Orchideen brauchen diese Ruhezeit unmittelbar vor der Blüte (Dendrobium). Die Blüte beendet hier also die Ruhezeit. Andere rasten sich lieber unmittelbar nach der Blüte aus (Odontoglossum). Wieder andere wie die Miltonia kommen auch ohne Ruhezeit gut zurecht. Hier muss man sich also schon ein bisserl ein Wissen über die jeweilige Orchidee  aneignen, damit die Kultur auf Dauer gelingt.

Dankbare Orchideen fürs Zimmer sind in der Regel keine reinen Arten, wie sie in der Natur vorkommen, sondern Hybriden, also Kreuzungen. Viel zu speziell wären die Ansprüche reiner Arten, die könnte man bei Zimmerkultur kaum befriedigen. Bei den Hybriden haben sich sogenannte „Mehrgattungshybriden“ als besonders robust herausgestellt. Das heißt man hat nicht verschiedene Arten einer Gattung miteinander gekreuzt, sondern gleich verschiedene Gattungen. Die Pflanzen, die hieraus entstehen, kann man dann auch nicht einer Gattung zuschlagen, sondern man muss eine neue Bezeichnung finden. „Colmanara ’Wildcat’“ ist ein solcher Gattungsbastard, der aus der Kreuzung von Oncidium, Odontoglossum und Miltonia entstanden ist. Auch die beliebte und unkomplizierte „Cambria“ ist ein Gattungsbastard aus Miltonia und Odontoglossum. Zigtausend reine Arten finden sich in der Familie Orchideengewächse. Material für Züchtungsarbeit ist also ausreichend vorhanden. Auf weitere zimmertaugliche Hybriden darf man also gespannt sein.

Ing. Veronika Schmeikal


 
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