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Winterliche Schneerosen




Winterliche Schneerosen

Wie der Name schon verrät, blühen Schneerosen im Winter, meist ab Ende Dezember.

Das ist wunderbar, denn die letzten Blüten im Garten sind mindestens schon zwei Monate her und mit dem Erscheinen der „Lenzrosen“ wie sie auch genannt werden, ist der Frühling in erreichbare Nähe gerückt, auch wenn es noch Wochen dauern wird.  Bei uns heimisch ist Helleborus niger. Sie ist kalkliebend und sitzt am liebsten unter laubabwerfenden Gehölzen. So ein Standort bietet alles, was sie gerne hat: Sonne und Licht im Winter und zeitigen Frühjahr, viel Frühlingsfeuchtigkeit zu der Zeit, wo sie blüht. Dann treiben die Gehölze aus, durch ihre Belaubung ziehen sie stark Wasser, was der Schneerose einen sommertrockenen Standort verschafft. Kurz – zu jeder Zeit ideal. Unter Nadelbäumen leiden Schneerosen unter der mangelnden Feuchtigkeit im Winter und Frühling. Da hier die Bäume selbst Bedarf haben – sie sind immergrün und brauchen auch in der Ruhezeit etwas Bodenfeuchte – bleibt für die Schneerosen zuwenig übrig und sie kümmern. Aber jetzt dürfen sie erst einmal blühend in Töpfen oder mit Efeu zusammengepflanzt in Schalen den Hauseingang zieren. Dank gärtnerischer Tricks bekommt man blühende Schneerosen schon Ende Oktober, da ist ihre natürliche Blütezeit noch lange nicht in Sicht. Monatelang sehen sie attraktiv aus und trotzen der Kälte. Bei extremen Minustemperaturen liegen sie flach, beziehungsweise sehen sie aus, als hätten sie seit Monaten kein Wasser bekommen. Sämtliche Triebe hängen über den Topfrand bis zum Boden. Keine Panik - das ist lediglich eine Frostschutzstrategie. Die Pflanze entzieht bei starken Frösten ihren oberirdischen Organen sämtliches Wasser, um ein Auffrieren und dadurch Platzen der Zellen zu vermeiden. Bei milden Temperaturen stehen die Triebe brav wieder auf. Ihre Schneerose ist Ihnen sicher nicht böse, wenn Sie sie bei extremen Minustemperaturen ins Haus holen. Aber lieber an einen kühlen Standort. Im warmen Zimmer sind Schneerosen nur kurze Zeit glücklich. Als optischer Aufputz für die Weihnachtsfeiertage sind sie wunderbar, länger als zehn Tage sollte man ihnen einen warmen Raum aber nicht zumuten. Deutsche Namen gibt es viele, einer lautet „Christrose“, da die ersten Blüten ausgepflanzter Schneerosen oft mit dem Weihnachtsfest zusammenfallen. Als „Nieswurz“ wird sie auch bezeichnet, was sich von der medizinischen Verwendung der Schneerosenwurzel in früheren Zeiten herleitet. Bei Einnahme eines Auszugs der Wurzeln wurde die Schleimproduktion so richtig in Gang gebracht, man hat ordentlich Rotz gelassen, und wenn man das Prozedere überlebt hat, wurde man dann wohl auch gesund. Da der giftige Auszug kaum richtig zu dosieren war, darf man getrost davon ausgehen, dass ebenso viele durch die Einnahme des Nieswurzsaftes verstorben wie genesen sind. Naheliegend auch, dass die Schneerosen heutzutage keinerlei medizinische Verwendung mehr hat.

Eine schöne Schneerose für „den zweiten Blick“ ist Helleborus foetidus, die Stinkende Nieswurz. Bis Mai zieren ihre grünlichen Blütenstände den rund 40 Zentimeter hohen  Blattbuschen, dessen stark gefiedertes immergrünes Laub ganzjährig eine schöne Strukturpflanze im Staudenbeet darstellt.

Grüne Oase:

Schneerosen-Nachwuchs im Garten

Wer Schneerosen im Garten hat, hat eventuell bald mehr davon. Wenn der Standort passt, tauchen da und dort selbst ausgesäte Schneerosen auf. Besonders Helleborus-Orientale-Hybriden versamen sich gut, durch Aufspaltung ergeben sich interessante Blüten, oft mit rosa, roten oder braunen Zeichnungen. Dass die neuen Pflanzen häufig weit weg von der „Mutter“ auftauchen, liegt an einem Eiweißanhängsel der Samen. Dieses Eiweißanhängsel ist eine Lieblingsspeise von Ameisen, die die Samen dessentwillen verschleppen. So profitieren beide davon: die jungen Pflanzen haben genug Abstand zur „Alten“,  die ihnen so nicht den Lebensraum streitig machen kann, die Ameisen werden für ihre Tragearbeit mit einem Festschmaus verwöhnt.

Ing. Veronika Schmeikal


 
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