Aktuelles Termine

Frühe Blüten




Frühe Blüten

Letzte Woche war endlich ein bisschen Frühling zu spüren: warme Tage mit strahlendem Sonnenschein.

Jetzt zeigt der Winter noch einmal, was er drauf hat, aber wir wissen alle: er ist schon ein alter Mann. Einige Gehölze schwingen sich schon zeitig zum Blühen auf. Eines der schönsten davon ist die Zaubernuss. Meist ist Hamamelis x intermedia im Handel. Sie ist ein Bastard der ostasiatischen Eltern Hamamelis japonica (aus Japan) und Hamamelis mollis (aus China). Hier sind Japan und China eine beständige Ehe eingegangen, die Hybride ist nämlich gartenwilliger als die reinen Arten. Besonders ist die Zaubernuss aus zwei Gründen. Erstens sehen die Blüten völlig anders aus, als man sich landläufig Blüten vorstellt und zweitens blühen Zaubernüsse zu einer Zeit, in der man mit Blüten nicht verwöhnt wird. „Jänner bis März“ wird in der Literatur als Blütezeitpunkt angegeben. Kaum ein anderes Gehölz schafft eine derart lange Blütezeit, das liegt natürlich an den Temperaturen, dass sich Blüten über Monate halten. Im Spätwinter lechtzt man nach Farben wie ein Wüstenwanderer nach Wasser. Da kommen die filigranen, oft gedrehten schmalen Kronblätter in leuchtendem Gelb gerade recht. Auch orangerot und braunrot blühende Sorten sind im Handel, sie kommen aber nur vor Schnee zur Geltung. Sonst sind die Blüten der braungrauen Spätwinterumgebung farblich zu ähnlich, als dass sie wirklich auffallen würden. Diese Sorten sind eher ein Fall für die Gebirgsgaue, im oft aperen Flachgau ist die Pflanzung einer gelben Sorte gescheiter. Alle Hamamelis-Arten bezaubern im Herbst ein weiteres Mal durch eine wunderbare Herbstfärbung der Blätter. Aber natürlich sind die Zaubernüsse nicht die einzigen Gehölze die zur Winterzeit schon blühen. Der Winterduftschneeball (Viburnum x bodnantense) trägt seine ungewöhnlich Blütezeit schon im Namen, herrlich duften die rosaroten Blütenbüschel, die ersten erscheinen oft bereits im Spätherbst. Nach einer Blühpause im Hochwinter beginnt  der Winterduftschneeball nach nur zwei, drei warmen Tagen wieder zu blühen. An eine südseitige Hausmauer gehört der Winterjasmin. Der Spreizklimmer braucht ein Spalier auf das er sich hinaufkämpft. Dann fallen die Triebe mit den gelben duftenden Blüten wie Kaskaden von oben herab, und das braucht Platz. Einen guten Meter muss man dem Dicken schon einräumen.  Und dann ist schließlich schon März und das erste heimische Gehölz ist auch schon mit Blüten zur Stelle. Es ist dies Cornus mas, der Dirndlstrauch auch Kornelkirsche genannt. Natürlich haben die Baumschuler auch da schon wieder herumgezüchtet und großfruchtige Sorten wie z.B. ‘Jolico‘ auf den Markt gebracht. Aber wie gesagt, der Dirndlstrauch ist bei uns heimisch und steht daher auch überall herum. Wer beim wochenendlichen Spaziergang wissen wollte, welcher Strauch jetzt schon vor dem Laubaustrieb so viele gelben Blütenbüschel zeigt  – das ist der Dirndlstrauch! Und wir reden hier von einem wirklich schönen, dezenten Gelb und nicht von so einer aufdringlichen Peinlichkeit namens Forsythie. Vor der kann man außerdem nicht abbeißen, während eine Dirndlmarmelade (die ich erfreulicherweise manchmal geschenkt bekomme) eine seltene Köstlichkeit ist.

Bild: Liegt man unter einer orangen Hamamelis und guckt in den Himmel,  ist sie wahnsinnig schön. Für die Normalansicht ist eine gelbe Zaubernuss dankbarer.

Ing. Veronika Schmeikal 


 
Zurück zur Übersicht