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Balkon- und Terrassenpflanzen




Balkon- und Terrassenpflanzen

Blumen für den Abend und die Nacht

Jede Balkonbepflanzung dient zweierlei Zwecken: sie soll den Balkon nach außen hin schmücken, das heißt, für die Betrachter im Hof oder auf der Straße schöner machen. Gleichzeitig soll der Balkon von innen gesehen für seine Besitzer gefällig, schön und interessant sein. In den meisten Fällen entfaltet die Balkonbepflanzung ihre Wirkung auf die Außenwelt hauptsächlich am Tage und aus der Ferne. Für den berufstätigen Besitzer allerdings, der seinen Balkon tagsüber nur am Wochenende sieht und sonst nur am Abend zu Hause ist, sind viele der gewöhnlichen Balkonpflanzen völlig ohne Wirkung. Im schwachen Abendlicht heben sich sogar grelle Rottöne und satte Dunkelblautöne kaum vom Hintergrund des grünen Blattwerks ab. Und beim fahlen Mondlicht sind rote und blaue Farben kaum deutlicher zu sehen als Schwarz. In der Abenddämmerung bei zunehmender Dunkelheit verwandeln sich alle Farben, insbesondere die tiefen Rottöne, Orange, Blau und Grün, zuerst ins Violett und dann schließlich zu Schwarz. Während die Lichtstärke abnimmt, können nur Weiß, Gelb und die allerhellsten Pastelltöne genügend Licht reflektieren, um sich von der umgebenden Dunkelheit abzuheben. In der Dämmerung verliert das Auge allmählich die Fähigkeit, Farben zu unterscheiden und nimmt schließlich nur den Unterschied zwischen Hell und Dunkel wahr, denn es spricht nur auf Helligkeit an. Orangefarbene und rote Blüten und grüne Blätter werden vom Auge des Betrachters in der Nacht als Schwarz registriert. Blaue, aber vor allem gelbe und weiße Blüten erscheinen dagegen heller. Weiß und helle Pastellfarben bleiben lange sichtbar bis das Licht völlig verschwunden ist. Es ist ein Merkmal der Farbe Weiß, dass sie alle Lichtstrahlen, alle Farben des Spektrums, die auf sie fallen, wieder reflektiert. In der Dämmerung und bei Nacht, bei schwacher Lichteinstrahlung ist es natürlich sehr vorteilhaft für die Blüten, dass sie sämtliches einfallendes Licht reflektieren. Umgeben von tiefen Schatten glühen weiße und gelbe Blüten wie Lampen in der Dämmerung. Wenn der Balkongärtner dieses Phänomen bewusst einkalkuliert, hat er ein wirkungsvolles Mittel für die effektive Gestaltung eines Balkons, der auch abends faszinierend wirkt. Fast jede Gartenpflanze hat eine weißblühende Form oder Sorte, so dass eine Betonung der weißen Blütenfarbe kaum irgendwelche zusätzliche Einschränkung bei der Auswahl der Pflanzen bedeutet. Für jeden Balkon gibt es eine üppige Auswahl an einjährigen Sommerblumen, Stauden, Zwiebel, Blumen, Sträuchern oder Kübelpflanzen. Eine nahezu perfekte nachtblühende Pflanze für den Balkon ist die Mondwinde, eine schnellwachsende tropische Kletterpflanze. Obwohl normalerweise mehrjährig, ist die Mondwinde sehr leicht aus Samen zu ziehen und lässt sich gut als einjährige Pflanze an einem warmen, sonnigen Balkon verwenden. Die Mondwinde, Calonyction album, verrät mit ihren weißen Trichterblüten eine nahe Verwandtschaft mit der heimischen Ackerwinde und mit der wunderschön blaublühenden Prunkwinde, die beide im Gegensatz zur Mondwinde am Morgen blühen. Die duftenden Blüten der Calonyction öffnen sich recht schnell an einem warmen Sommerabend und schließen sich am nächsten Morgen bevor die ersten Sonnenstrahlen sie erreichen. Bei trübem Wetter bleiben sie dann meist bis Mittag offen. Gut fünfzehn Zentimeter Durchmesser erreichen die reinweißen Mondwindeblüten, die sogar das schwächste Licht reflektieren und gleichsam wie viele Vollmonde im dichten, üppigen Laub hängen. Wo ein Klettergerüst für Sichtschutz oder ein Balkongeländer schnell begrünt werden soll, eignet sich die Mondwinde recht gut: ihre großen, dunkelgrünen herzförmigen Blätter bilden bald eine grüne Wand und geben einen ruhigen Hintergrund für andere blühende Pflanzen. Eine Vermehrung der Mondwinde aus Samen ist spielend leicht: etwa sechs Wochen vor der Auspflanzzeit wird gesät. Die Samenkörner legt man vor der Aussaat über Nacht in lauwarmes Wasser zum Vorquellen. Da sich Calonyction nicht so gern umpflanzen lassen, ist eine Aussaat in Töpfe ratsam. Bei genügend Wärme geht der Samen schnell auf. Die Jungpflanzen werden nach Bedarf weitergetopft bis sie an ihren endgültigen Platz gepflanzt werden. Sie mögen eine sehr nährstoffreiche Erde und während der Wachstumsperiode verlangen sie viel Wasser und regelmäßige Düngergaben. Eine der zuverlässigsten nachtblühenden Zierpflanzen für den Balkon ist immer noch der herrlich duftende weiße Ziertabak, Nicotiana alata 'Grandiflora', der Abend für Abend von Juli bis Herbst den Balkon mit einer lieblichen, frischen Duftwolke einhüllt. Wenn man einen Balkon für die Abendstunden gestalten will, dann ist der Ziertabak eine Pflanze, die auf keinen Fall fehlen sollte. Bei dieser alten Form, die etwa ein Meter hoch wird, gehen die Blüten erst am Abend auf. Inzwischen gibt es kleinere, kompaktere Sorten, die auch tagsüber ihre Blüten öffnen, meist aber nur schwach duften. Wo der Balkon groß genug ist, um einige Pflanzen zu verstecken, die keine allzu große optische Wirkung haben, dafür aber ein köstliches Abendparfüm verbreiten, könnten die Nachtviole, Hèsperis matronàlis, und ihre Verwandte, die fast in Vergessenheit geratene Abendlevkoje, Matthìola longipètala bicòrnis, Platz finden. Hesperis, die Nachtviole, ist normalerweise als Zweijährige oder kurzlebige Staude zu ziehen, die Abendlevkoje dagegen ist einjährig. Beide verraten mit ihrem Duft ihre Verwandtschaft mit der normalen Levkoje. Tagsüber fallen sie kaum auf. An einem warmen Sommerabend aber verströmen sie einen süßen und geheimnisvollen Duft. Unter den nicht winterharten Zwiebelblumen, die für Kultur in Kübeln oder Töpfen auf dem Balkon geeignet sind, finden sich mindestens vier Arten, die ihre Schönheit hauptsächlich während der Abendstunden entfalten. Zum Beispiel die Wunderblume, Miràbilis jalàpa, die man im Frühjahr als Knollen kauft. In der englischen Sprache heißen die Mirabilis "Four o' clocks", deshalb, weil die Blüten erst um vier Uhr Nachmittags aufgehen. Der deutsche Name bezieht sich auf die Eigenart der Pflanze, verschiedenfarbige Blüten an einem Exemplar zu entwickeln, was früher als ein Wunder angesehen wurde. Miràbilis jalàpa ist eine etwa sechzig Zentimeter hohe, buschige Staude aus Mexiko und Peru. Ihre Blüten sind rot, gelb, weiß oder gestreift, oft auch drei- oder vierfarbig auf einer Pflanze. Sie duften nur schwach und bleiben nur einen Abend, vom Nachmittag bis zum nächsten Morgen geöffnet, bei trübem Wetter auch am Tag. Ihr Duft lockt viele Nachtfalter an, was zusätzliches Leben auf den Balkon bringt. Die Aussaatzeit für die pfefferkornähnlichen Samen ist Anfang April. Ausgepflanzt wird im Mai, wenn die Gefahr von Nachtfrösten vorüber ist, in nährstoffreiche, lehmige, etwas kalkhaltige Erde. Im Allgemeinen werden die rübenförmigen Knollen der Wunderblume wie Dahlien behandelt. Sie lieben einen vollsonnigen Standort und gute Wasserversorgung im Sommer. Will man sie im nächsten Jahr wieder verwenden, muss man sie im Herbst ausgraben und wie Dahlienknollen in Sand oder Torf überwintern. Im Kommen ist auch die Sterngladiole, Acidanthèra bìcolor, sie wurde erst vor etwa fünfzig Jahren aus Äthiopien eingeführt. Wie die Gladiole, mit der sie viel Ähnlichkeit hat, gehört die Acidanthèra zur Familie der Irisgewächse. An einem Stiel bringt sie bis zu zehn cremeweiße Blüten mit dunkelrotbraunem Schlund hervor. Die etwa fünf Zentimeter großen Blüten öffnen sich nacheinander von unten nach oben und verbreiten, besonders gegen Abend, einen süßen, zauberhaften Duft. Die Blüten bleiben über mehrere Tage offen und besitzen in der Abenddämmerung eine strahlende Leuchtkraft. Die Sorte 'Zwanenburg', die am häufigsten zu finden ist, blüht ab August und wird etwa siebzig Zentimeter hoch. Sie eignet sich hervorragend für die Kultur in Kübeln auf dem Balkon. Etwa zehn Knollen in einem Kübel mit dreißig Zentimeter Durchmesser geben ein herrliches Bild auf dem spätsommerlichen Balkon. Im Herbst, wenn die Blätter verwelkt sind, nimmt man die Knollen aus der Erde, schüttelt das Erdreich ab und legt sie zum Trocknen an einen luftigen, schattigen Platz. Haben sich an den alten Knollen kleine Brutknöllchen gebildet, werden diese vorsichtig entfernt und im Frühjahr einzeln in Töpfe eingepflanzt. Je nach Größe der Brutknollen entwickeln sich schnell neue Pflanzen, die etwa nach zwei Jahren zum ersten Mal blühen. Eine nahe Verwandte der Acidanthèra, eine echte Gladiole, die Gladìolus trìstis aus Südafrika, wird nicht leicht zu finden sein, aber es lohnt sich, ihr nachzuspüren. Diese wilde Gladiòle ist in England als Garten– und Kübelpflanze sehr beliebt. Auffallend an ihr ist der süße, nelkenähnliche Duft der cremeweißen Blüten. Die einzelnen Blüten erreichen einen Durchmesser von acht Zentimetern und stehen zu viert an einem sechzig Zentimeter hohen Schaft. Gladìolus tristis, die Trauer-Gladiòle, blüht im Juni. Die Blüten sind den ganzen Tag offen, der Duft wird dafür nur am Abend frei. Obwohl die Blüten klein sind im Vergleich zu den Gartenhybriden, erstrahlen die hellen Blüten in zurückhaltendem Charme, den man am Abend am Balkon voll genießen kann. Im Gegensatz zu den Gartengladiolen, ist Gladìolus tristis wie eine Wintergartengpflanze zu behandeln; sie ist wintergrün und verlangt eine frostfreie Überwinterung. Eine andere, nicht winterharte Zwiebelblume für den Balkon ist das Schönhäutchen, Hymenocàllis. Am ehesten findet man entweder die Art, Hymenocàllis narcissiflòra, oder ihre Sorte, 'Festàlis', eine Kreuzung zwischen ihr und Hymenocàllis longipètale. Beide sind klassische Kalthauspflanzen, die im Sommer im Freien stehen aber in der kalten Jahreszeit eine winterliche Ruhepause einlegen, während der sie ziemlich trocken bei etwa zehn Grad stehen sollen. Beide Hymenocàllis blühen zwischen Juli und Herbst mit strahlendweißen, starkduftenden Blüten. Die Art narcissiflòra wird zwischen sechzig und einhundert Zentimeter hoch, die Hybridsorte 'Festalis' bleibt etwas kleiner, zwischen vierzig und sechzig Zentimeter. Am einfachsten ist es, Schönhäutchen ganzjährig in einem etwa dreißig Zentimeter Topf zu ziehen. Den Topf kann man im Sommer, wenn die Nachttemperaturen nicht mehr unter fünfzehn Grad absinken, an einem warmen Platz auf dem Balkon aufstellen. Da die Pflanzen sehr frostempfindlich sind, müssen sie rechtzeitig im Herbst wieder ins Haus eingeräumt werden. Und da sind noch einige der besser bekannten Kübelpflanzen, die man oft am Balkon oder auf der Terrasse im Sommer aufstellt, in weißblühenden Sorten oder Arten: Die Engelstrompeten, Brugmansia, zum Beispiel, sind überwiegend Weißblühende. Sie wirken am besten in den Abendstunden, obwohl ihre Blüten auch tagsüber sehr imposant sind. Das gleiche gilt für die weißblühenden Oleander-Sorten, wie 'Album', die gefüllte 'Album plenum' und die halbgefüllte 'Suor Agnes'. Alle Brugmansia und Oleander-Sorten wollen heiß, sonnig und geschützt stehen. Nur so entwickeln sie ihre volle Schönheit. Fuchsien dagegen lieben es eher kühl und halbschattig. Bei den weißen Sorten ist es aber unbedingt notwendig, dass sie schattig stehen. Nur so bleiben ihre Blüten rein in der Farbe. Fuchsien, insbesondere die weißblühenden Sorten, wirken am besten aus der Nähe. Schon aus dem Grund ist es vorteilhaft, sie in Kübeln auf dem Balkon zu ziehen. Und wenn der Balkon eher schattig ist, ein sogenannter 'Problem-Balkon', dann sind die weißen Fuchsien geradezu ideal. Eine der besten, großblütigen weißen Sorten ist 'Alaska'. Sie hat gefüllte Blüten und wächst aufrecht und buschig. Die gefüllte Sorte 'Annabel' blüht ebenfalls fast weiß, mit einem Hauch von Rosa. Die aufrecht wachsende Sorte 'Constellation' ist wahrscheinlich eine der besten reinweißen Fuchsien überhaupt. Sie wächst schnell zu einer Pflanze mit vielen Trieben heran. Auch die einfachblühende Sorte 'Evensong' ist eine reinweiße Fuchsie, die sich auf einem geschützten Balkon wohlfühlt. Andere ausgezeichnete weiße Sorten sind 'Ting-a-Ling' und 'Whirlaway', beide mit wunderschön geformten, einfachen Blüten. Die Palette gärtnerischer-botanischer Pflanzenvielfalt bietet für jeden Balkon ein volles Abend- und Nachtprogramm. Etwas Geschmack, ein bisschen Geschick, sorgfältige Planung, der Rat vom Gärtner Ihres Vertrauens, und der Balkon bringt zu jeder Tages- und Nachtzeit Überraschungen.

Pauline Trausnitz


 
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