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Winterhärte




Winterhärte „Wenn ich den Weihnachtsstern, den ich im Sommer im Freien hatte im Herbst draußen lasse, ihn also abhärte und dann gut einpacke, dann überlebt es doch den Winter im Freien.“ So sprach vor Jahren ein Kunde und das ist bis heute frisch im Gedächtnis geblieben, denn dass nicht winterharte Pflanzen das Überleben im Winter draußen „erlernen“ können, ist natürlich grober Unfug. Die Winterhärte einer Pflanze ist einerseits genetisch festgelegt, andererseits von verschiedenen Klimafaktoren abhängig. Zum Beispiel muss eine Pflanze, die in Sibirien den Winter tadellos übersteht bei uns noch lange nicht winterhart sein. Für den Pflanzenorganismus macht es durchaus einen Unterschied, ob die Temperaturen auf minus 20 Grad fallen und dann fünf Monate so bleiben, oder ob eine Pflanze während des Winters  einige Male einfriert, auftaut, dann wieder einfriert und wieder auftaut. Ein schönes Beispiel sind auch Alpenpflanzen für den Steingarten. Natürlich ist der Winter in 2.000 m Höhe wesentlich strenger als in den Niederungen. Trotzdem wintern Alpenpflanzen herunten aus (so bezeichnet man es, wenn Pflanzen den Winter nicht überstehen), aus dem einfachen Grund, weil es im Flachland an der wärmenden Schneedecke fehlt. Sogenannter Kahlfrost (auch Barfrost) bringt Gebirgspflanzen im Flachland in Bedrängnis. Das sind sie nicht gewohnt, dass es minus 15 Grad bekommt ohne dass eine meterdicke Schneeschicht sie schützt. Abhilfe schaffen kann man hier, indem man Steingarten und Alpinum mit Reisig abdeckt um so die Frostwirkung zu lindern. Neben den tiefen Temperaturen birgt der Winter aber noch andere Gefahrenquellen in sich. Gefahr Nummer Eins bei uns: Bodennässe. Viele Pflanzen würden rein von den Temperaturen her den hiesigen Winter tadellos überstehen, der nasskalte Boden und die doch erheblichen Niederschläge lassen zum Beispiel auch frostfeste Rosmarinsorten in milden Wintern auswintern. Oft erfrieren die Pflanzen nicht, sie ersaufen. Auch Freilandkakteen sind ein schönes Beispiel: Vor Nässe geschützt (z.B. im Topf an der Hausmauer) überwintern sie problemlos, den Niederschlägen ausgesetzt bleibt bis zum Frühling nur ein schlatziges Häufchen übrig.  Auch der Schnee hat es in sich: Im schneereichen Wintern 2005/06 brachen zahlreiche Kugelformen auseinander. Kugelahorn oder Kugelrobinie waren dem Druck der Massen nicht gewachsen und mussten im folgenden Frühjahr ersetzt werden. Viel häufiger aber fehlt der Schnee im Flachland, worunter zum Beispiel Bambusse sehr leiden. Viele Arten kommen aus Klimagebieten mit meterhoher Schneedecke. Da sie keine schützende Wachsschicht auf ihrer Blattunterseite haben, die die Verdunstung minimiert, werden die Blätter der an sich wintergrünen Gehölze häufig über den Winter weiß. Das ist kein Frostschaden, sondern ein Trockenschaden. Bei Minustemperaturen verdunsten die Blätter weiter Wasser, wegen des Bodenfrosts gibt’s aber keinen Wassernachschub. Die Pflanzen stecken das weg und treiben im Frühling aus dem Boden durch, die Bambusbesitzer kriegen eine Gratis-Sporteinheit, denn sie jagen monatelang den Tausenden weißen Blättchen nach, die im Garten herumflattern.   Ausgereift! Seine spezifische Winterhärte erreicht ein Gehölz, wenn mehrere Faktoren günstig zusammenspielen. Der allgemeine Gesundheitszustand spielt ebenso eine Rolle wie der Temperaturverlauf und die Wärmesumme eines Jahres. Sehr wesentlich ist auch die Nährstoffversorgung. Zu späte Nährstoffgaben verhindern den rechtzeitigen Abschluss des Wachstums. Die Zweige haben keine Zeit mehr auszureifen und genügend Reservestoffe für den Winter zu speichern. Nur gut ausgereifte Knospen und Holz überstehen einen Winter gut. Daher heißt es im Herbst: Hände weg vom Düngesack! Jetzt sollen Pflanzen nicht wachsen, sondern abschließen und ausreifen. So bedrohlich der Klimawandel mit all seinen Auswirkungen ist, Freunde exotischer Gehölze werden der Erwärmung eine positive Seite abgewinnen können. Künftig werden sich in Mitteleuropa Gehölze etablieren lassen, die derzeit nur in extrem günstigen Lagen überleben. Die Aucuba, zum Beispiel, die bereits jetzt an kleinklimatisch supergünstigen Standorten in Salzburg ausgepflanzt überlebt, wird sich im Stadtgebiet halten können. Corylopsis, ein entzückender Frühlingsblüher, die derzeit auch nur funktioniert, wenn sie sehr geschützt steht, wird gängiges Sortiment werden, ebenso wie Auraucaria araucana, von der nach meinem Wissensstand derzeit nur ein einziges Exemplar in Salzburg (Thumegger Bezirk) aushält.Derzeit halten wir in der Stadt Salzburg bei der Winterhärtezone 6b (-20,5 bis -17,8 Grad) in den Gebirgsgauen bei 5b (-26,0 bis -23,5 Grad). Mal sehen, wie sich das in den nächsten Jahrzehnten entwickeln wird. 

Ing. Veronika Schmeikal 


 
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