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Weihnachtssterne von Salzburgs Gärtnern




In Salzburg gezogene Weihnachtssterne halten immer noch am besten. Sie hatten keine Gelegenheit sich auf einer 1.000-km-Fahrt zu verkühlen.

Auch wenn Salzburgs „dollste“ Gärtnerei in einem großformatigen Gratisblatt behauptet, sie sei die einzige  Gärtnerei in Salzburg, die ihre Weihnachtssterne selbst heranzieht, kann ich der werten Leserschaft versichern: Dem ist nicht so! Eine ganze Reihe von Gärtner-Kollegen bekommen im Juli und August die Euphorbia-Stecklinge geliefert, topfen diese ein und ziehen sie bis zum Advent zu farbenprächtigen Sternen heran. Die Kulturzeit für extragroße Ware beginnt noch früher: Gleich wenn die Pelargonien im Mai das Glashaus verlassen haben, ziehen jene Weihnachtssternpflanzen ein, die zu großen Büschen oder Pyramiden gezogen werden. Damit aus einem Steckling ein mehrtriebiger Weihnachtsstern wird, muss man ihn nach dem Bewurzeln „pinzieren“. Darunter versteht man das händische Auszwicken der Triebspitze. Die Pflanze, derselbigen beraubt, treibt mit mehreren Knospen durch, so kommt die Verzweigung zustande. Die beliebten Mini-Weihnachtssterne erhält man, indem man einer Mutterpflanze einen induzierten Trieb abnimmt, und diesen Steckling in einem kleinen Topf bewurzelt. Um einen „induzierten Trieb“ handelt es sich, wenn die Blütenbildung bereits eingesetzt hat. Sonst würde so eine Babypflanze auch gar nicht blühen. Die ist ja noch viel zu jung für eine geschlechtliche Fortpflanzung. Jetzt aber schwenken wir von kulturtechnischen und botanischen Details mehr in Richtung aktuelle Sorten, wo uns „Ice Punch“ ins Auge sticht. Die roten Hochblätter haben in der Mitte einen rhombenförmigen rosa Fleck. Gut angenommen wird auch eine sehr dunkle, fast schwarzrote Sorte namens „Burgundy“. Mit Goldglitter drauf, kommt die dunkle Farbe noch besser zur Geltung. Ein besonders leuchtendes Hellrot, das von den Kunden aber wenig geschätzt wird, zeigt die Sorte „Cortez Electric Fire“. Sie wird über kurz oder lang wieder aus dem Sortiment verschwinden. Was sich nicht verkaufen lässt, muss aussortiert werden. Neue Sorten stehen eh schon wieder Gewehr bei Fuß. Außerdem kann man bewährten Sorten mit ein bisschen Schminke nachhelfen, wie am Bild zu sehen. Jedenfalls ist Weihnachten ganz ohne Weihnachtsstern traurig, und wer sie nicht mag, kann sie ja bereits am 28. 12. mit einem knöcheltiefen mehrtägigen Fußbad verwöhnen, dann sind sie zu Neujahr auch schon wieder tot. Also ein, zwei Tage Wüste halten sie besser aus. Warm mögen sie es, schon unter + 16°C muss man mit Schäden an den bunten Hochblättern rechnen, daher mögen sie auch nicht in der Früh gekauft werden und dann einen ganzen Tag im kalten Auto herumsitzen. Das hat ungefähr so einen Effekt, wie den Hund im Hochsommer einen Tag im Auto lassen. 

Grüne Oase: 

Weihnachtsstern als Schnittblume 

Weihnachtssterne sind giftig. Der Milchsaft ist leicht reizend, was das konkret heißt, wird in der Literatur nicht weiter ausgeführt. Als Gärtnerin, die mehrmals täglich ungeschützt mit Weihnachtssternen in Berührung kommt und auch öfters ein paar Tropferl Milchsaft auf der Haut hat, kann ich nur sagen: Reizen tut mich was anderes. Will man den Weihnachtsstern als Schnittblume verwenden, muss man das Auslaufen des Milchsaftes auf alle Fälle unterbinden und das geht am besten mit einer Hitzebehandlung. Die frisch geschnittenen Stiele werden über einer Kerze angesengt oder in brennheißes Wasser gestellt. Durch die Hitzeeinwirkung verschließen sich die Leitungsbahnen und der Stern hält sich einige Tage in der Vase. Ebenso verfährt man mit allen anderen Euphorbien, die als Schnittblume Verwendung finden. Euphorbia fulgens, die Korallenranke, ist eine schöne Schnittblume, deren überhängende Ranken einem Strauß eine fließende Bewegung verleihen. Und auch als Beiwerk, profan gesagt „Schnittgrün“ finden sich Euphorbien im Sortiment. Den leicht reizenden Milchsaft haben sie alle, aber wer einmal auch nur ein Blättchen eines Weihnachtssterns gekostet hat, weiß, dass ein Vergiftungsfall ausgeschlossen ist: Wer isst schon freiwillig ein halbes Kilo bitterste Blätter? 

Ing. Veronika Schmeikal 

Bild:

Der weißen Sorte „Christmas Carol“ wurde mit „Schminke“ nachgeholfen, „Ice Punch“ kam heuer bei den Kunden gut an, ebenso wie die dunkle „Burgundy“ im Vordergrund. Ganz rechts ein ungeschminkter „Christmas Carol“-Weihnachtsstern.


 
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