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Baumschnitt




Baumschnitt

 Die ganz argen Fröste dürften so ziemlich vorüber sein, ein idealer Zeitpunkt, Obst- und sonstigen Laubgehölzen mit der Schere zu Leibe zu rücken.  

Aber gleich zu Beginn sei gesagt: Wer nichts von der Sache versteht, soll sich lieber auf die warme Ofenbank setzen und Baum Baum bleiben lassen. Denn sonst kommen so furchtbare Schandtaten zustande, wie auf dem Foto zu sehen. Dieser Nussbaum wurde vor etwas mehr als einem Jahrzehnt fachkundig zurückgenommen. Da er einfach zu nah am Haus gepflanzt ist, war jetzt wieder eine Schnittmaßnahme nötig. Dass jene, die Fachwissen UND gute Arbeit bieten, meist nicht die Billigstbieter sind, liegt auf der Hand. Gutes Personal kostet gutes Geld und so soll es auch sein, denn man soll von seiner Arbeit würdig leben können. Dass hier diesmal nicht der Beste, sondern nur der Billigste den Zuschlag bekommen hat, ist für jeden Laien erkennbar. Jeder Euro, den dieser Baumschneider eingestreift hat, war ein Euro zuviel, denn wer so eine Arbeit abliefert, müsste eigentlich noch Strafe zahlen. „Im Gebiet der Landeshauptstadt sind die Eibe mit einem Stammumfang von mindestens 50 cm, die Fichte, Weide, Pappel und Lärche mit einem Stammumfang von mindestens 120 cm und alle Laub- und Nadelhölzer mit einem Stammumfang von mindestens 80 cm geschützt; dabei wird der Stammumfang in einem Meter Höhe, bei Bäumen mit einem Kronenansatz unter einem Meter Höhe, an dieser Stelle gemessen.“ besagt das Salzburger Baumschutzgesetz, das aber immer öfter elegant umgangen wird, indem man Bäume „totschneidet“. Das heißt, sie werden dermaßen unsachgemäß verstümmelt, dass das Absterben binnen weniger Jahre vorprogrammiert ist. Doch zurück zu den (noch) Lebenden: Jeder Schnitt provoziert Wachstum. Je stärker man schneidet, umso stärker wird das Gehölz austreiben. Schließlich versucht es, die verlorengegangenen Teile zu regenerieren. Wird ein alter Baum zurückgeschnitten oder ausgelichtet, treiben knapp unter der Schnittstelle eine Vielzahl schlafender Augen aus. So nennt man Vegetationspunkte, die nicht sichtbar sind, und bei normalem Wuchsverlauf auch nicht austreiben würden. Das Ergebnis sind ein Haufen gleich starker Triebe, die einen richtigen Besen bilden. Ein korrekter Baumschneider müsste auch gleich eine Nachbehandlung im Folgejahr anbieten, denn aus dieser Vielzahl gleichstarker Triebe muss ein neuer Leittrieb ausgewählt und die anderen eliminiert werden, damit der Baum dann wieder einmal zu seinem identischen Habitus zurückfindet. Pflanzen sind langmütig. Wären sie es nicht, würde ihnen so manches Gemetzel erspart bleiben. So aber heißt es: sie wird schon wieder austreiben. Und so ist es. Zu guter Letzt möchte ich mich bei den beiden Damen, die mir als Reaktion auf meinen letzten Artikel „echte“ Post geschickt haben, herzlich bedanken – ich habe mich sehr gefreut! 

Weinschnitt jetzt! 

Die Weinrebe als Rankpflanze wird immer beliebter und wenn der Herbst ein versöhnliches Wetter bringt, werden die Trauben auch hierzulande zuckersüß. Aber auch Wein will geschnitten werden, und zwar genau jetzt. Und das ist sogar nicht einmal besonders schwierig. Man belässt die Leittriebe (das sind die dicken, kräftigen, die rasch in die Höhe wachsen) und die (fruchtbringenden) Seitentriebe werden bis auf zwei gut entwickelte Augen weggeputzt. Fertig. Ideal für süße Früchte ist es, wenn man auch einen Sommerschnitt anbringt. Dabei schneidet man Ende Juli die Seitentriebe drei bis vier Blätter hinter der letzten Traube ab, das bremst das Triebwachstum. Sich später noch entwickelnde Triebe werden ausgebrochen. Blätter und Blatttriebe, die die Trauben verdecken, werden eliminiert, damit die Trauben optimal besonnt werden. 

Text:Ing. Veronika Schmeikal

Bild:Schändlicher Schnitt eines Nussbaumes: Die riesigen Wunden sind Eintrittspforten für Pilze und Bakterien.  


 
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