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Schneeglöckchen und Frühlingsknoten




Schneeglöckchen und Frühlingsknoten 

In vielen Gärten ist in den letzten Tagen endgültig der Frühling eingekehrt. Schneeglöckchen und Frühlingsknotenblumen stehen in voller Blüte.  

Beide Arten sind Frühlingsboten, über die sich jeder Gartenfreund freut und deren Austrieb mit Argusaugen beobachtet wird. Die Wertigkeit der beiden Gattungen ist jedoch eine komplett unterschiedliche. Während seltene Schneeglöckchensorten heuer im Jänner bei e-bay um über € 125,00 (pro Stück!!!) versteigert wurden, findet sich die Frühlingsknotenblumen nicht einmal im Repertoire von Gärtnereien. Dabei repräsentieren sie ebenso den Frühling und sind wunderhübsch anzusehen. Leucojum vernum, die Frühlingsknotenblumen, lieben etwas feuchtere Standorte, daher findet man bei uns in Buchenmischwäldern im März ganze Waldhänge mit ihnen bedeckt. Dagegen mag es Galanthus nivalis etwas trockener. Neben einigen Naturstandorten auch bei uns, ist Galanthus vor allem im Osten Österreichs zahlreich anzutreffen. Im Wiener Wald und auch in der Gegend um Krems kriegt man derzeit keinen Fuß auf den Waldboden, ohne nicht ein paar Exemplare zu zertreten. Millionen Pflanzen finden sich da. Das Schneeglöckchen ist offenbar in der Lage Sammelleidenschaft zu entfachen. Da werden dann die grünen Flecken auf den Petalen millimetergenau vermessen, die Staubblätter mit der Lupe gezählt, und der typische „Galanthus-Griff“ angewandt. Mit zwei Fingern fasst man unter das Röckchen und dreht es um. Das ist genauso unsittlich, wie es sich anhört, denn immerhin werden bei der „Von-Unten-Ansicht“ die Geschlechtsorgane des Schneeglöckchens sichtbar. Da Schneeglöckchen-Freaks aber eine eingeschworene Gesellschaft sind, ist davon bislang nichts nach außen gedrungen. Kollektives Entzücken wird bei Galanthus-Sammlern ausgelöst, wenn die Flecken auf den Röckchen nicht grün, sondern gelb sind. Auch das ist ein guter Grund sehr viel Geld für einzelne Pflanzen zu zahlen. Um von dieser Spezialspezies, als solche darf man Schneeglöckchensammler getrost bezeichnen, zu den „normalen“ Gartenfreunden zurückzukehren: es blühen jetzt gerade auch noch andere Pflanzen im Garten. Zum Beispiel lassen sich die hübschen rosa Blüten von Cyclamen coum sehen. Binnen zwei Jahren ist in meinem Garten der Blütenreichtum von anfänglich drei Blüten auf mittlerweile fünf  angestiegten – wow! Mein erklärtes Langzeitziel, das ich bis zur Pensionierung in 27 Jahren auch sicherlich erreiche, ist eine ähnliche Blütenfülle wie im Haselquartier des Sichtungsgartens Weihenstephan. Da bilden die frühlingsblühenden Cyclamen einen durchgehenden Teppich in rosa und weiß. Blausternchen und Winterling treten nun in Massen auf und die Schneerosen erblühen. Sie nennen sich zwar Schneerosen, blühen tun sie meist aber erst dann g’scheit, wenn der Schnee endlich weg ist. Da trifft die andere deutsche Bezeichnung „Lenzrose“ viel eher zu.   

Schneeglöckchen teilen 

Vom Schneeglöckchen finden sich zweierlei Arten in unseren Gärten: das heimische Galanthus nivalis und das aus der Türkei stammende Galanthus elwesii. Vor allem von letzterem finden sich zahlreiche mehr oder weniger begehrte Sorten. Schneeglöckchen wachsen immer in Büscheln, also horstig. Das kommt daher, dass sich der Fruchtknoten mit den reifenden Samen immer weiter zu Boden senkt und sich dann förmlich in die Erde eingräbt. Damit wird die Brut unmittelbar neben „der Alten“ abgelegt, was zu immer größer werdenden Horsten führt. Dabei kann man zwei Wuchstypen beobachten. Einerseits Formen, die sich bei ihrer Horstbildung immer weiter ausbreiten und andere, die es immer weiter in die Tiefe zieht und die die Samen quasi AUF den alten Zwiebeln ablegen. Dass letztere optisch weniger hergeben, versteht sich von selbst. Der couragierte Gärtner schreitet  daher zur Teilung. Der ideale Zeitpunkt dazu ist vor oder während der Blüte. Dazu braucht man einen Spaten, denn die Zwiebeln ziehen sich oft so tief in die Erde, dass man mit einem schmächtigen Gartenschauferl rein gar nichts ausrichtet. Also: Horst herausstechen, Zwieberl vorsichtig auseinanderklauben, und in Büscherl zu wenigen an beliebiger Stelle wieder versenken.  

Text: Ing. Veronika Schmeikal

Bild oben: Galanthus nivalis

Bilder unten: Schachbrettblumen, Frühlingsknotenblumen, Cyclamen


 
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