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Streichelpflanzen




Streichelpflanzen Kennen Sie das Jucken in den Fingern, wenn einer mit ganz kurz geschorenen Haaren vorbeigeht? Am liebsten möchte man über diesen fremden Kopf streichen.  Bei manchen Pflanzen geht es mir ähnlich. Die sehen schon so hübsch pelzig aus, dass man hingreifen MUSS, und im Gegensatz zu den fremden Männern schauen die auch gar nicht betropft drein, wenn sie im Vorbeigehen gestreichelt werden. Der Wollziest (Stachys byzantina) ist so ein Kandidat, ebenso wie Salvia argentea, der Silbersalbei. Bei Pelargonium tomentosum, deren behaarte Blätter richtig flaumig aussehen, kommt neben dem Wohlgefühl des Streichelns auch noch ein köstlicher Duft nach Schoko-Minze dazu. „After-Eight-Pflanze“ hat eine Kundin diese Duftpelargonie genannt. Stichwort duften: das ist die zweite Verlockung es Pflanzenstreichelns, dass man einen Duft entdecken könnte. Ganz unscheinbare Pflänzchen warten mit unerwarteten Gerüchen auf. Plectranthus caninus, als „Verpiß-Dich-Pflanze“ zur Abschreckung von Hunden und Katzen beworben, strömt bei Berührung einen, nun ja, sagen wir strengen Geruch aus. Dagegen findet man bei den verschiedenen Duftpelargonien wunderbare Gerüche wie „Muskat“, „Rose“, „Apfel“, „Zitrone“ und die schon erwähnte „Schoko-Minze“. Calamintha nepeta, der Steinquendel, ist eine winterharte Staude, die ab Ende Juni hunderte blasslila Blütchen bildet. Diese zartlila Blütenwolke bleibt bis zum bitteren Ende, also dem Wintereinbruch, erhalten und lockt im Herbst Hundertschaften von Bienen an. Das leicht behaarte Laub von Calamintha riecht bei Berührung herrlich frisch nach Pfefferminze. Die Duftnessel (Agastache) verrät bereits mit ihrem Namen, dass die Blätter bei Berührung würzig riechen - nach korsischer Makia. Bis Juli dauert es, bis Agastache foeniculum seine imposante Höhe von über einem Meter erreicht hat, ab dann erscheinen zahlreiche hellviolette Blütenkerzen, die ebenfalls bei Bienen beliebt sind. Hübsch und wohlriechend gleichermaßen ist auch der Muskatellersalbei (Salvia sclarea), ein zweijähriger Salbei, der im ersten Jahr nur eine Blattrosette, im zweiten Jahr dann einen meterhohen Blütenstand bildet, der über Monate wunderschön weiß-rosa-blau blüht. Nach der Blüte stirbt dieser Salbei ab, sorgt aber während seiner monatelangen Blütezeit für reichlich Nachkommenschaft. Wenn man es mit dem Jäten nicht so ganz genau nimmt, kann man sicher sein, den Muskatellersalbei im nächsten Jahr an anderer Stelle wiederzufinden. Die Gerüche der Gewürzkräuter wie Rosmarin, Thymian und Oregano sind wohlbekannt, seit aber Gewürz- und Heilkräuter so stark nachgefragt werden, finden sich gar sonderliche Pflanzen in den Sortimenten der Gärtnereien. Der Coca-Cola-Strauch (Artemisia abrotanum, eigentlich auf deutsch Eberraute) riecht tatsächlich so, wie der Gottseibeiuns der Ich-ernähre-meine-Kinder-urgesund-Mütter schmeckt. Das Lakritz-Tagetes tut sich in Österreich dagegen schwer, eine größere Anhängerschaft zu finden. Anders als in Italien und Nordeuropa sind Lakritznaschereien kein allgemeines Kulturgut mit dem man aufwächst und der Geschmack wird öfter als unangenehm denn wohlschmeckend empfunden. Dafür erfreuen sich Minzen zunehmender Beliebtheit, kein Wunder, bei zig Arten findet jeder eine, die ihm schmeckt. Wie man herausfindet, welche Minze man mag? Streicheln! Lauch Die Nummer Eins der Würzkräuter ist der Schnittlauch (Allium schoenoprassum). Seine rosalila  Blütenstände wurden von britischen Staudenzüchtern so hübsch gefunden, dass sie sogar Mühe daran verschwendet haben eine besonders großblütige Sorte zu züchten: „Forescate“. Der wird dann als Blütenstaude ins Blumenbeet gepflanzt und kann nebenbei etwas beerntet werden. Dazu taugen die zahleichen Zierlauchsorten, die nur sehr langsam Eingang in unsere Gärten finden, gar nicht. Andere beerntbare Allium-Arten hingegen sind durchaus zierend, wenn man sie zur Blüte kommen lässt. Allium fistulosum, die Winterheckenzwiebel hat einen weißen kugeligen Bütenstand, ebenso wie die gewöhnliche Küchenzwiebel Allium cepa. Ein Tipp für Knoblauchfans, die ob des anhaltenden Geruchs Probleme mit dem Partner haben: Schnittknoblauch schmeckt ebenso köstlich, man stinkt aber nicht so lange nach!  Ing. Veronika Schmeikal
 
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