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Der Griff zur Schere




Der Griff zur Schere

 „Kann man das ’zamschneiden?“ ist eine häufige Frage beim Erwerb von Gartenpflanzen. „Warum sollte man?“ würde ich gerne antworten, aber das gehört sich nicht.  

’Zamschneiden wird umso wichtiger, je höher eine Pflanzen zu wachsen imstande ist. Es hat ja etwas Bedrohliches an sich, wenn eine Pflanze in der Lage ist, höher zu wachsen, als man selbst ist. Daher ist es beruhigend zu wissen, dass eine Gartenschere im Keller liegt, mit deren Hilfe man überbordendes Wachstum im Zaum halten kann. Seltsamerweise werden gerade Pflanzen, die einen Schnitt bitter nötig hätten, oft nicht geschnitten. Zum Beispiel Rosen. Gerade noch haben sie prächtig geblüht, plötzlich sehen sie „schleißig“ drein, mit verbräunten oder herabfallenden Blütenblättern am oberen Ende und sich gleichzeitig von unten langsam entblätternd wegen diverser Pilzkrankheiten, vorzugsweise Rosenrost und Sternrußtau. Jetzt wäre ein kräftiger Schnitt hilfreich und sinnvoll, denn jeder Schnitt provoziert Wachstum. Da Gartenrosen am Ende eines diesjährigen Triebes blühen, fördert man die Nachblüte indem man sie mittels eines herzhaften Rückschnittes zu neuem Wachstum motiviert. Die Schnittmaßnahme kombiniert man mit einer Hand voll organischen Düngers, und schon geht es wieder dahin. Nur zaghaft die Blütenstände auszuschneiden bringt wenig. Junge Triebe haben immer gesundes Laub, daher bedeutet ein regelmäßiger Schnitt bei Rosen auch das Gesunderhalten der Blattmasse. Also nur nicht zimperlich sein, wer wagt, gewinnt. Dass es lustiger ist, Gartenpflanzen zurückzuschneiden, die nicht so gemein stechen, versteht sich von selbst, gilt hier als Ausrede aber nicht.

Auch einem typischen Rosenbegleiter tut regelmäßiger Schnitt gut: dem Lavendel. Dieser mediterrane Halbstrauch neigt dazu von unten zu vergreisen. Das kennt jeder Gartenbesitzer: ein verholzter Stamm (der sich meist in jene Richtung niederlegt, die nicht gefragt ist) trägt am Ende ein Büschel der duftenden silbernadeligen Blätter, aber von einer hübschen Pflanze ist das Erscheinungsbild nach wenigen Jahren meilenweit entfernt. Um einen Lavendel hübsch, also kompakt zu halten, muss man zweimal pro Jahr Hand anlegen. Den ersten Schnitt verabreicht man im März vor dem Austrieb. Nach dem Schnitt sieht die Pflanze oft mitleiderregend aus, aber keine Bange, das wächst sich zusammen. Der zweite Schnitt ist jedes Mal eine emotionale Herausforderung, denn optimalerweise schneidet man den Lavendel sofort nach der Blüte und zwar „wenn’s noch weh tut.“ Das heißt, wenn die Blüte schon leichte Ermüdungserscheinungen zeigt, aber eigentlich noch schön ist. Genau dann muss geschnitten werden, und zwar wieder kräftig. Nämlich gleich die Hälfte der ganzen Pflanze darf, nein, soll man wegschneiden. Nur so erhält man die gewünschte Optik und wenn ein Lavendel nach dem Radikalschnitt im März den Durchtrieb einmal nicht schafft, müssen Sie sich zweierlei vor Augen führen: Erstens ist der Lavendel ein Kind des Südens und unsere nasskalten Winter sind alles andere als günstig für solche Pflanzen. Und zweitens hat der Gärtner Ihres Vertrauens jede Menge neue.

 Rückschnitt 

 

Im Reich der Stauden finden sich so manche Gattungen, denen ein Rückschnitt gut tut. Ein bekannter Kandidat ist der Rittersporn. Er ist in der Lage in der gleichen Vegetationsperiode nochmals Blütenstiele zu bilden. Tatsächlich ein zweites Mal zur Blüte kommt er aber nur, wenn man sich mit dem Rückschnitt nicht zu lange Zeit lässt. Auch hier gilt: Es muss noch weh tun. Wer wartet, bis das letzte blaue Blütchen verschwunden ist, wird eine zweite Blüte nicht erleben. Bis die Nachblüte dann endlich soweit ist,  raffen die ersten kräftigen Fröste die Stauden dahin. Abschneiden muss man den Rittersporn eine Handbreit überm Boden, eine gleichzeitig verabreichte Portion Dünger und Schneckenkorn ist obligatorisch.

Auch Lupinen, Bergflockenblume und Schafgarbe können „remontieren“, so nennt man das Nachblühen auf fachchinesisch. Stauden, bei denen nur mit einer dürftigen Nachblüte gerechnet werden kann, die aber trotzdem geschnitten werden, sind Frauenmantel, Veronica „Knallblau“, Frühlingswolfsmilch und diverse Storchschnäbel. Ihr Blattbuschen vergilbt oder fällt nach der Blüte auseinander. Mit einem ebenerdigen Rückschnitt erzwingt man einen Neuaustrieb, der dann eine hübsche, kompakte Figur behält und im Optimalfall noch ein bisserl dahinblüht. 

 

Bild und Text:

Ing. Veronika Schmeikal


 
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