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Drehfrucht, Kußmäulchen und Schamblume




Drehfrucht, Kußmäulchen und Schamblume 

Aus der Familie der Gesneriengewächse rekrutiert die Gärtnerschaft eine Vielzahl zimmertauglicher Blütenpflanzen.

 Alle zeichnen sich durch Anspruchslosigkeit und Blühfreude aus. Das bekannteste Gesneriengewächs ist zweifellos das Usambaraveilchen. Vor über 100 Jahren wurde es in den tropischen Regenwäldern Ostafrikas gefunden und bald als genügsamer Dauerblüher für absonnige Plätzchen im Zimmer entdeckt. Phasenweise Trockenheit stecken die dickfleischigen, zu einer Rosette angeordneten, dunkelgrünen Blätter leicht weg. Gar nicht mögen die stark behaarten Blätter mit kaltem Wasser benetzt werden. Dabei entstehen Blattflecken, die gleich den Verdacht auf Schädlingsbefall hervorrufen, jedoch nur auf unsachgemäße Behandlung zurückzuführen sind. Nun, das Usambaraveilchen ist langmütig und verzeiht, die neu gebildeten Blätter sind wieder makellos.

 

Nahe verwandt ist Streptocarpus, die Drehfrucht, die sich zu imposanten Pflanzen entwickeln kann. Die großen  Trichterblüten sitzen zu mehreren auf bis zu 30 cm langen Stielen. Besonders in England gibt es wunderschöne Sorten. Auch Streptocarpus ist eine reine Zimmerpflanze, die Ausflüge in die Sonne nicht goutiert. Die weichen Blätter tragen sofort Brandflecken davon und sind dann ähnlich hübsch anzusehen wie ein gescheiter Sonnenbrand  auf bleicher Haut. Das Farbspektrum spielt sich, ähnlich wie beim Usambaraveilchen, hauptsächlich in weiß-rosa-violett –Tönen ab, allerdings findet sich auch ein blasses Gelb. Streptocarpus blüht laut Pflanzenbüchern von April bis Juli, in echt aber bis in den November hinein. Die Gloxinie ist ein Gesneriengewächs, das aus der Mode gekommen ist. Kein Wunder: Prächtige Gloxinien sind sehr ausladend und die brüchigen Blätter entsprechen nicht den Anforderungen des modernen Pflanzenhandels. Sie sind beleidigt, wenn sie im dunklen LKW tagelang spazieren gefahren werden und lassen sich auch schwer verpacken. Dem Rechnung tragend sind die heutigen Gloxinien nur noch halb so groß wie jene im Glashaus der Großmutter, die von der Produktionsstätte direkt an den Blumenfreund verkauft wurden. Ja gut, der „Oma-Flair“ dieser Pflanze trägt wahrscheinlich auch nicht zur Popularität bei. Dafür erfreut sich Achimenes, der Schiefteller, wieder wachsender Beliebtheit. Die in wunderbar kräftigen Farben blühende Zimmerpflanze hat unterirdische Rhizome, die wie kleine Fichtenzapfen aussehen. In diese zieht sich die Pflanze im Spätherbst zurück. Dann heißt es den „leeren“ Topf  trocken, kühl und frostfrei zu überwintern, im Frühling wird in frische Erde getopft, hell, warm und feucht aufgestellt und los geht’s wieder. Schon ein bisserl Aufwand. Lohnt sich aber.

 

Ebenso wie die neue Generation des Kußmäulchens (Hypocyrta glabra). Es blüht unverdrossen orange vor sich hin, die Einzelblüte ist nicht rasend auffällig, doch bei näherem Besehen entdeckt man einen zum Kuss gespitzter Mund. Die ledrigen grünen Blättchen sehen immer wie frisch geduscht aus.

Nun fehlt nur noch die Schamblume (Aeschynanthus), eine Hängepflanze, die außer einem warmen Zimmer, leidlich Licht und nicht ganz kaltem Wasser keine Ansprüche hat und trotzdem mit auffälligen rot-orangen Trichterblüten erfreut. Angeblich von Juli bis Oktober.   

Grüne Oase: 

Regenerationsfähig 

Unsereins verbringt zum Zwecke der Regeneration ein paar Stunden in der Wellness-und Sauna-Landschaft einer Therme. Bei Pflanzen versteht man unter Regeneration die Fähigkeit, verlorengegangene Pflanzenteile wieder nachzubilden. Diese Fähigkeit ist recht unterschiedlich ausgeprägt. Wir pflücken einen Pfälzer (korrekt „Steckling“) von einer Pflanze ab. Beide Teile haben nun Grundlegendes verloren: Der Pflanze fehlt die Triebspitze, dem Steckling die Wurzel. Und beide sind in der Lage die nun fehlenden Teile nachzubilden. Damit ein Steckling bewurzeln kann, braucht es in der Regel ein Sprossstück, denn nur aus diesem Gewebe kann ein Wurzelgewebe generiert werden. Anders bei den Gesneriengewächsen. Sie gehören zu jener sehr kleinen Pflanzengruppe, die nur aus einem Blatt(stück) eine komplette Pflanze generieren kann. Würde man ein Pelargonienblatt, also ohne Stammstück, zu bewurzeln versuchen, gelingt dies zwar manchmal, das Blatt lebt dann aber einfach seine Lebenszeit und stirbt dann ab, ohne dass sich aus diesem Blatt eine Pflanze bilden kann. Nimmt man dagegen als Vermehrungsmaterial ein an der Mittelrippe durchgeschnittenes Blatt eines Usambaraveilchens, kann man mit einigen Nachkommen rechnen.  

Ing. Veronika Schmeikal


 
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